Psychotherapie bei Suizidalität: Konzepte und Methoden

Psychotherapie bei Suizidalität: Konzepte und Methoden
Erfahren Sie effektive Psychotherapie-Ansätze und Methoden zur Behandlung von Suizidalität und Krisenintervention.

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Verstehen von Suizidalität

Suizidalität ist ein komplexes Phänomen, das von tiefgreifenden Gefühlen der Hoffnungslosigkeit, des Schmerzes und des Leidens geprägt ist. Sie stellt eine große Herausforderung für die Psychotherapie dar, da hier ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, spezifischem Fachwissen und therapeutischer Erfahrung gefordert ist. Suizidgedanken können viele Ursachen haben, zu denen psychische Störungen wie Depression, Schizophrenie, Angststörungen oder Persönlichkeitsstörungen gehören können. Wichtig ist es zu verstehen, dass Suizidgedanken und -handlungen meist als ein Versuch gesehen werden können, unerträglichen psychischen Schmerz zu beenden.

Prävention und Früherkennung

Die Prävention und Früherkennung von Suizidalität sind entscheidende Schritte in der Therapie. Ein frühzeitiges Erkennen suizidaler Tendenzen kann durch regelmäßige Gespräche, genaue Beobachtung und gegebenenfalls die Verwendung von standardisierten Fragebögen erfolgen. Das offene Ansprechen von Suizidgedanken wird dabei als wichtiger Bestandteil der Prävention angesehen. Zu den präventiven Maßnahmen zählen auch die Stärkung sozialer Bindungen und die Förderung von Bewältigungsstrategien für Krisensituationen.

Psychotherapeutische Ansätze

Verschiedene psychotherapeutische Ansätze sind bei der Behandlung von Suizidalität relevant. Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zielt darauf ab, dysfunktionale Denkmuster zu erkennen und zu verändern. In der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) werden besonders die Fähigkeiten zur Emotionsregulation sowie Achtsamkeit geschult. Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sucht nach unbewussten Konflikten, die suizidales Verhalten begünstigen können. Nicht zu vernachlässigen ist auch die interpersonelle Psychotherapie (IPT), die zwischenmenschliche Beziehungen in den Mittelpunkt stellt.

Therapeutische Beziehung und Suizidprävention

Eine tragfähige therapeutische Beziehung ist das Fundament jeder Psychotherapie, besonders aber bei der Behandlung suizidaler Patienten. Der Aufbau von Vertrauen und Sicherheit ermöglicht es dem Betroffenen, sich zu öffnen und über die Gedanken und Gefühle zu sprechen, die mit seinen Suizidgedanken verbunden sind. Die stetige Verfügbarkeit und Erreichbarkeit des Therapeuten, besonders in Krisenzeiten, ist hierbei essentiell.

Krisenintervention

In akuten Krisensituationen kommt der Krisenintervention eine Schlüsselrolle zu. Hierbei geht es darum, schnell zu handeln, um eine direkte Gefahr für das Leben des Patienten abzuwenden. Dies kann das Aufstellen eines Krisenplans, die Vereinbarung von Notfallkontakten oder auch eine stationäre Einweisung umfassen, falls dies für die Sicherheit des Betroffenen erforderlich ist. Ziel ist es, die akute Phase zu überbrücken und weiterführende Therapieansätze zu ermöglichen.

Ausblick und Hoffnung

Nach erfolgreicher Stabilisierung ist es wichtig, die Hoffnung des Patienten auf Besserung seiner Situation zu stärken. Dabei geht es nicht nur um die Bewältigung der suizidalen Krise, sondern auch um die Förbeitung von Lebensperspektiven und langfristigen Zielen, die dem Leben Sinn geben können. Lebensbejahende Therapieansätze, die individuelle Stärken und Ressourcen des Patienten in den Fokus rücken, tragen maßgeblich zu einer positiven Zukunftsaussicht bei.

Es bleibt festzuhalten, dass die Psychotherapie bei Suizidalität ein vielschichtiges Feld mit zahlreichen Ansätzen und Methoden ist, die individuell auf den Patienten und seine spezifische Situation abgestimmt werden müssen, um erfolgreich zu sein.

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Günter Drechsel Geschäftsführer
ist Gründer der Psycho-Vision. Er unterhält seit 1985 eine eigene Praxis mit verhaltenstherapeutischer Orientierung in Kempten im Allgäu. Die Idee der "State-of-the-Art"-Fortbildungen, wurde 2004 geboren und zunächst in über 200 Präsenzseminaren deutschlandweit umgesetzt. Der State-of-the-Art-Ansatz wurde von ihm auch in technischer Hinsicht verfolgt: Die Aufzeichnungen sind seit 2010 auch online - dadurch konnte er kompetente Referent/-innen gewinnen, die er zu ihren Spezialthemen einlädt und die Seminare moderiert. Seit 2022 kam eine Partnerschaft mit dem US-Anbieter psychotherapy.net hinzu. Dies addierte Videos von Therapiesitzungen weltweit bekannter Koryphäen auf dem Gebiet der Psychotherapie.

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