Fortbildungen zu ADHS für Psychotherapeuten

Evidenzbasierte Diagnostik und Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung im Kinder- und Erwachsenenalter
Die ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) stellt Psychotherapeuten vor vielfältige Herausforderungen – besonders im Erwachsenenalter, wo die Symptomatik häufig übersehen wird oder sich hinter Komorbiditäten verbirgt. Diese Fortbildungen vermitteln Ihnen das Fachwissen für eine sichere Diagnostik, ein tieferes Verständnis der neurobiologischen Grundlagen und evidenzbasierte psychotherapeutische Strategien zur Behandlung von ADHS in allen Lebensaltern.

Kurzübersicht: Was ist ADHS?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neuronale Entwicklungsstörung, die sich in Schwierigkeiten bei der Aufmerksamkeitsregulation, Impulskontrolle und motorischen Kontrolle manifestiert. Sie ist eine der häufigsten psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen und persistiert bei einem großen Teil der Betroffenen ins Erwachsenenalter.


Epidemiologie: Die Prävalenz der ADHS wird bei Kindern auf etwa 5% geschätzt, wobei eine deutliche Geschlechtsverteilung von etwa 3:1 (Jungen:Mädchen) beobachtet wird. Im Erwachsenenalter beträgt die Prävalenz circa 2,5–4%, mit ausgeglichenerem Geschlechtsverhältnis. Dies deutet darauf hin, dass Mädchen und Frauen im Kindesalter unterdiagnostiziert werden oder ihre Symptomatik besser kompensieren können.
Präsentationstypen (DSM-5): Das DSM-5 unterscheidet drei Präsentationstypen: (1) überwiegend unaufmerksam, (2) überwiegend hyperaktiv-impulsiv und (3) kombiniert. Diese Unterscheidung ist für die Therapieplanung und Prognose relevant.

Diagnostische Kriterien: Nach DSM-5 müssen mindestens 6 Symptome vor dem 12. Lebensjahr manifest sein und in mehreren Bereichen (Schule, Familie, Freizeit) zu Beeinträchtigungen führen. Die Symptomatik muss über mindestens 6 Monate persistieren und kann nicht besser durch eine andere psychische Störung erklärt werden.

Neuropsychologische Grundlagen: ADHS ist mit Defiziten in exekutiven Funktionen assoziiert – insbesondere in Arbeitsgedächtnis, Inhibition und zeitlicher Verarbeitung. Diese Defizite fußen auf neuronalen Dysfunktionen im präfrontalen Kortex und im Striatum, wo Neurotransmitter wie Dopamin und Noradrenalin eine zentrale Rolle spielen.

Komorbiditäten: Etwa 50–80% der erwachsenen Patienten mit ADHS haben zusätzliche psychische Störungen. Am häufigsten treten Angststörungen, depressive Störungen, Substanzmissbrauch und Persönlichkeitsstörungen auf. Diese Komorbiditäten erschweren oft die Diagnostik und erfordern eine differenzierte Behandlungsplanung.

Wichtige epidemiologische Daten

  • Prävalenz Kinder: ~5% (Geschlechterverhältnis 3:1, M:W)
  • Prävalenz Erwachsene:2,5–4% (ausgeglicheneres Geschlechtsverhältnis)
  • Onset: Symptome vor dem 12. Lebensjahr (DSM-5)
  • Persistenz: Bei etwa 60–70% der Kinder persistieren Symptome in das Erwachsenenalter
  • Geschlechterdimorphismus: Mädchen sind unterdiagnostiziert, oft bessere Kompensation und "Masking"
  • Komorbiditätsrate: 50–80% der Erwachsenen mit Angststörungen, Depression, Sucht oder Persönlichkeitsakzentuierungen

Unsere Fortbildungen zu ADHS

Wählen Sie aus unserem breiten Angebot an zertifizierten Fortbildungen, die speziell für Ihre Anforderungen als psychotherapeutische Fachkraft entwickelt wurden.

Kernthemen unserer ADHS-Fortbildungen

Diagnostik im Erwachsenenalter: Herausforderungen und Instrumente

ADHS im Erwachsenenalter wird oft übersehen, da sich die Symptomatik durch Lebensstrategien und Umgebungsanpassungen manchmal weniger offensichtlich zeigt. Lernen Sie, wie Sie durch gezieltes Screening, differenzierte Anamneseerhebung und standardisierte Instrumente (ASRS, CAT, CAARS) eine zuverlässige Diagnose stellen. Wir behandeln auch das Phänomen des \"Maskings\", bei dem Betroffene – besonders Frauen – ihre Symptome bewusst oder unbewusst verstecken.

Neuropsychologische Grundlagen und Exekutive Funktionen

Verstehen Sie die neuronalen Mechanismen hinter ADHS: Defizite in exekutiven Funktionen (Arbeitsgedächtnis, kognitive Flexibilität, Inhibition), die Rolle von Dopamin und Noradrenalin, sowie die Bedeutung von fronto-striatalen Netzwerken. Dieses Verständnis hilft Ihnen, Symptome nicht als Willenschwäche zu interpretieren, sondern als neurobiologische Realität zu akzeptieren.

Psychotherapie bei ADHS: KVT-basierte Ansätze

Evidenzbasierte psychotherapeutische Techniken für ADHS basieren vor allem auf kognitiver Verhaltenstherapie (KVT): Strukturierungsstrategien, Zeitmanagement, emotionale Regulationstraining und Selbstinstruktionen. Erfahren Sie, wie Sie ADHS-gerechte Interventionen gestalten und dabei die Besonderheiten von ADHS-Gehirnen berücksichtigen (z.B. Notwendigkeit von Struktur, sofortige Konsequenzen, minimale Ablenkung).

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ADHS und Komorbiditäten: Depression, Angst, Sucht

ADHS tritt selten isoliert auf. Lernen Sie, die Unterscheidung und Interaktion zwischen ADHS und Angststörungen, depressiven Störungen sowie Substanzmissbrauch zu verstehen. Wir zeigen Ihnen, wie eine sorgfältige Differenzialdiagnose gelingt und wie Sie multimodale Behandlungsansätze entwickeln, die alle vorliegenden Störungen adressieren.

ADHS bei Kindern und Jugendlichen: Besonderheiten

Die Behandlung von ADHS im Kinder- und Jugendalter hat spezifische Anforderungen: Einbeziehung des Familiensystems, schulische Koordination, Entwicklungsadäquatheit und Berücksichtigung von Lebensabschnittskrisen. Erarbeiten Sie konkrete Strategien für Elterntraining, schulische Interventionen und altersgerechte Psychotherapie.

Medikation und Psychotherapie: Zusammenspiel

Wie interagieren pharmakologische und psychotherapeutische Interventionen? Verstehen Sie die Rolle von Stimulanzien und anderen Medikationen, ihre Effektivität und Limitierungen. Lernen Sie, wie Sie als Psychotherapeut mit verschreibenden Ärzte kommunizieren und Ihre Therapie optimal mit medikamentöser Behandlung abstimmen.

Warum ist eine spezialisierte ADHS-Fortbildung wichtig?

Die Diagnose und Behandlung von ADHS ist in den letzten 15 Jahren in Deutschland erheblich gestiegen. Für Psychotherapeuten ist es entscheidend, diesen Trend mit fundiertem Wissen zu begleiten – nicht nur aus Gründen der diagnostischen Genauigkeit, sondern auch der therapeutischen Wirksamkeit.


Steigende Diagnoseraten: Während ADHS lange als reine Kindererkrankung galt, zeigen aktuelle Daten, dass etwa 60–70% der Kinder mit ADHS diese Symptomatik ins Erwachsenenalter tragen. Dies führt zu einem wachsenden Anteil erwachsener Patienten in therapeutischen Praxen, deren ADHS möglicherweise lange unerkannt geblieben ist.

Unterdiagnose bei Erwachsenen: ADHS bei Erwachsenen wird noch immer oft übersehen – teilweise weil die Symptomatik subtiler ist, teilweise weil Therapeuten nicht auf ADHS screening. Das Phänomen des "Maskings" – bewusste oder unbewusste Kompensation von Symptomen – trägt zusätzlich zu Unterdiagnose bei.

Komplexe Komorbiditäten: Viele erwachsene ADHS-Patienten präsentieren sich zunächst mit Angst, Depression oder Substanzmissbrauch. Ohne Verständnis für die ADHS-Basis dieser Problematiken kann die Therapie unzureichend wirken. Eine spezialisierte Fortbildung ermöglicht es Ihnen, diese Verbindungen zu erkennen und integrated treatment approaches zu entwickeln.

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ADHS existiert nicht im Vakuum. Ein umfassendes Verständnis verwandter Störungen ist essentiell für eine kompetente Diagnose und Behandlung:

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Häufig gestellte Fragen zu ADHS

Ist ADHS im Erwachsenenalter wirklich relevant für die Psychotherapie?

Ja, unbedingt. ADHS bei Erwachsenen ist eine häufige diagnostische Entität, die lange übersehen wurde. Etwa 60–70% der Kinder mit ADHS tragen ihre Symptomatik ins Erwachsenenalter. Viele erwachsene Patienten präsentieren sich mit Symptomen von Depression, Angst oder Substanzmissbrauch, die tatsächlich mit ADHS assoziiert sind. Ohne Verständnis für ADHS können psychotherapeutische Interventionen unzureichend wirken. Ein sicherer diagnostischer Blick auf ADHS ist daher für moderne Psychotherapeuten essentiell.

Wie unterscheide ich ADHS von einer Angststörung oder Depression?

Das ist eine der kniffligsten diagnostischen Fragen. ADHS, Angststörungen und Depression teilen teilweise Symptome (Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, Unruhe). Der Schlüssel liegt in der Anamnese: ADHS-Symptome beginnen vor dem 12. Lebensjahr und sind lifelong konstant. Angststörungen und Depression entwickeln sich oft später oder fluktuieren episodisch. Angst bei ADHS ist oft „laut" und extern (Hyperarousal, Unruhe), während Angststörungen spezifische Auslöser haben. Depression als primäre Störung ist oft mit Hoffnungslosigkeit und Anhedonie assoziiert, während ADHS-bezogene dysphore Stimmung oft mit Frustration und schnellen Stimmungswechseln korreliert. Standardisierte Screening-Instrumente (ASRS für ADHS, GAD-7 für Angst, PHQ-9 für Depression) helfen bei der Differenziation. Häufig liegt auch eine Komorbidität vor – was bedeutet, dass sowohl ADHS als auch Angststörung/Depression gleichzeitig vorliegen können und können.

Kann Psychotherapie allein bei ADHS ausreichen oder ist Medikation zwingend?

Das hängt vom Schweregrad und den individuellen Umständen ab. Für leichte bis moderate ADHS können psychotherapeutische Interventionen allein wirksam sein – insbesondere KVT-basierte Ansätze, die auf Strukturierung, Zeitmanagement und emotionale Regulation abzielen. Für moderate bis schwere ADHS, insbesondere wenn die Symptomatik das Funktionieren stark beeinträchtigt, ist eine Kombination aus Psychotherapie und Medikation oft effizienter als jede Intervention allein. Wichtig ist, dass Psychotherapie und medikamentöse Behandlung nicht als konkurrierende, sondern als komplementäre Ansätze verstanden werden. Als Psychotherapeut sollten Sie offen für pharmacological interventions sein und gut mit verschreibenden Ärzte kommunizieren können, um das beste Outcome für Ihre Patienten zu erreichen.

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