Fortbildungen zu Bipolarer Störung für Psychotherapeuten
Kurzübersicht: Bipolare Störungen
Epidemiologische Eckdaten
Unsere Fortbildungen zu Bipolaren Störungen
Kernthemen der Fortbildungen
Differenzialdiagnose
Die sichere Abgrenzung der Bipolaren Störung von anderen psychischen Erkrankungen ist fundamental. Schwierigkeiten entstehen durch:
- Bipolare vs. unipolare Depression: Erkennung von Hypomanie-Episoden, die oft nicht spontan berichtet werden
- Bipolare Störung vs. Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS):
- Unterscheidung von affektiven Instabilität (BPS) gegenüber klar definierten Episoden (Bipolar)
- Bipolare Störung vs. ADHS: Manische Symptome (Impulsivität, Ablenkbarkeit) können ADHS imitieren; Komorbiditäten sind möglich
- Secondary Bipolar Disorder: Ausschluss iatrogener Hochphasen durch Antidepressiva-Monotherapie
Die Anamnese von Hochphasen – auch retrospektiv – ist entscheidend. Viele Patienten bezeichnen hypomanische Phasen als „normale" Phasen höherer Energie und berichten sie nicht spontan.
Psychoedukation & Frühwarnsysteme
Ein zentraler psychotherapeutischer Ansatz bei Bipolarer Störung ist die strukturierte Psychoedukation:
- Krankheitsverständnis: Vermittlung eines biopsychosozialen Verständnisses der Erkrankung zur Reduktion von Scham und Stigma
- Frühwarnsysteme entwickeln: Gemeinsame Identifikation individueller Frühzeichen für manische und depressive Episoden
- Trigger und Stressoren: Analyse psychosozialer Faktoren (Schlafmangel, Stress, Lebensereignisse), die Episoden auslösen
- Medikamenten-Adherence: Unterstützung der Adhärenz zur medikamentösen Therapie durch Verständnis und Problemlösung
- Selbstmanagement-Strategien: Entwicklung von Krisenintervention und Notfallplänen
Psychoedukation reduziert nachgewiesenermaßen Rückfallquoten um etwa 25–30%.
Interpersonelle und Soziale Rhythmustherapie (IPSRT)
IPSRT ist eine speziell für Bipolare Störung entwickelte psychotherapeutische Methode mit starker Evidenz:
- Rhythmusstabilisierung: Aufrechterhaltung regelmäßiger Schlaf-Wach-Zyklen, Essenszeiten und sozialer Aktivitäten als Puffer gegen Episoden
- Interpersonelle Probleme: Bearbeitung von Konflikten, Rollenwechseln und sozialer Isolation
- Schlafmanagement: Besondere Aufmerksamkeit auf Schlaf als kritischer Trigger für manische Episoden
- Lebensereignisse: Antizipation und Bewältigung von Veränderungen (Umzug, Jobwechsel, Beziehungsveränderungen)
IPSRT hat sich in mehreren randomisierten kontrollierten Studien als wirksam erwiesen und wird in internationalen Leitlinien empfohlen.
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) für Bipolare Störung
KVT muss bei Bipolarer Störung angepasst werden, um Destabilisierung zu vermeiden:
- Modifizierte Kognitionen: Bearbeitung von dysfunktionalen Gedanken in depressiven und manischen Episoden, ohne dabei Hochphasen zu verstärken
- Verhaltensaktivierung: Mit Vorsicht bei Hypomanie-Risiko; Fokus auf Rhythmusstabilisierung statt Aktivitätssteigerung
- Problemlösung: Strukturierte Bewältigung psychosozialer Stressoren
- Emotionsregulation: Entwicklung von Strategien zur Emotional Dysregulation
- Rückfallprävention: Langfristige Planung zur Erkennung und Intervention bei Episodenzeichen
KVT sollte auf stabiler Pharmakotherapie aufbauen und in der depressiven oder euthymen Phase durchgeführt werden.
Pharmakotherapie-Koordination durch Psychotherapeuten
Psychotherapeuten spielen eine wesentliche Rolle in der Überwachung der medikamentösen Therapie und Zusammenarbeit mit Ärzte:
- Medikamentenkenntnis: Verständnis von Stimmungsstabilisierern, atypischen Antipsychotika und deren Nebenwirkungen
- Antidepressiva-Monotherapie-Risiken: Aufklärung über das Risiko iatrogener Mania durch alleinige Antidepressiva-Gabe
- Adhärenz-Unterstützung: Bewältigung von Ambivalenzen bezüglich Medikation (z.B. Verlust kreativer Phasen)
- Nebenwirkungen und Toleranz: Psychologische Unterstützung bei Gewichtszunahme, sexuellen Nebenwirkungen oder Tremor
- Interprofessionelle Kommunikation: Regelmäßiger Austausch mit behandelnden Fachleuten über klinische Beobachtungen
Eine enge Zusammenarbeit zwischen Psychotherapie und Psychiatrie ist der Goldstandard in der Behandlung Bipolarer Störungen.
Warum spezialisierte Fortbildungen zu Bipolarer Störung?
- Frühe Erkennung: Sichere Differenzialdiagnose und Identifikation übersehener Hochphasen
- Evidenzbasierte Behandlung: Anwendung wissenschaftlich evaluierter psychotherapeutischer Techniken (IPSRT, modifizierte KVT)
- Prävention von Verschlimmerung: Vermeidung schädlicher Interventionen (z.B. aggressive Verhaltensaktivierung ohne Rhythmusstabilisierung)
- Interprofessionelle Zusammenarbeit: Sichere Kommunikation mit Psychiater und Fachärzte
- Suizidprävention: Verständnis des erhöhten Suizidrisikos und Implementierung geeigneter Sicherheitsmaßnahmen
- Patientenzufriedenheit: Spezialisierte Kompetenz führt zu besseren Behandlungsergebnissen und höherer Patientenbindung
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Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheide ich bipolare von unipolarer Depression?
- Bipolare Störung Typ I: Mindestens eine manische Episode (≥7 Tage mit Symptomen wie extremer Euphorie, Reiztbarkeit, Schlafbedarf-Reduktion, Impulsivität, Gedankenrasen)
- Bipolare Störung Typ II: Hypomanische Episoden (3–4 Tage, mildere Symptome ohne vollständige Beeinträchtigung) plus depressive Episoden
- Unipolale Depression: Ausschließlich depressive Episoden ohne Hochphasen
Welche Rolle spielt Psychotherapie neben der Medikation?
- Interpersonelle und Soziale Rhythmustherapie (IPSRT): Stabilisierung von Schlaf-Wach-Zyklen und Alltagsrhythmen
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT, modifiziert): Bewältigung dysfunktionaler Gedankenmuster und Verhaltensweisen
- Psychoedukation: Verbessertes Krankheitsverständnis und Symptomerkennung
- Frühwarnsystem-Entwicklung: Gemeinsame Identifikation von Rückfallzeichen
- Adherence-Unterstützung: Überwindung von Ambivalenzen gegenüber Medikation
- Interpersonelle Problemlösung: Bearbeitung sozialer und beruflicher Konflikte
Was sind Frühwarnsignale für manische Episoden?
- Schlaf-Veränderungen: Verminderter Schlafbedarf (sich nach 3–4 Stunden Schlaf erholt fühlen) – das sensitivste Zeichen
- Stimmungsveränderungen: Gehobene, unverhältnismäßig gute Laune oder Gereiztheit und Impulsivität
- Gedankenprozesse: Beschleunigtes Denken, Gedankenrasen, sprunghaftes Denken
- Verhaltensmuster: Erhöhte Aktivität, Talkativeness, übermäßiges Geldausgeben, riskante Unternehmungen
- Soziale Aktivität: Verstärkte soziale Kontakte, vermehrte Initiativen
- Ablenkbarkeit: Erhöhte Ablenkbarkeit und Konzentrationsmangel (trotz Euphorie)
- Tagesrhythmus-Veränderungen: Desorganisation von Essens- und Schlafzeiten

