Fortbildungen zu Suizidalität für Psychotherapeut
Kurzübersicht: Epidemiologie und Relevanz
Zahlen und Fakten
Risikofaktoren
Schutzfaktoren
Klinische Schlüsselkompetenzen
Passende Fortbildungen
Kernthemen dieser Fortbildungen
Suizidrisiko-Assessment
Die systematische Einschätzung von Suizidalität bildet die Grundlage für sicheres therapeutisches Handeln. Dieses Modul vermittelt sowohl strukturierte Instrumente (C-SSRS, BSI, SBQ-R) als auch die Kunst des klinischen Interviews.
- Unterscheidung zwischen Gedanken, Absichten und Plänen
- Erfassung von Häufigkeit, Dauer und Intensität
- Screening vs. vertieftes Assessment
- Risikoerhöhung durch aktuelle Stressoren
- Dokumentation und Kommunikation
Safety Planning nach Stanley & Brown
Safety Planning ist eine evidenzbasierte Krisenplanungsmethode, die mit der Patient gemeinsam durchgeführt wird. Der Plan bietet konkrete, individualisierte Strategien zur Krisenbewältigung.
- Warnsignale und frühzeitige Indikatoren erkennen
- Interne Bewältigungsstrategien entwickeln
- Soziale Unterstützung aktivieren
- Kontaktpersonen und professionelle Ressourcen festlegen
- Schriftliche Dokumentation und regelmäßige Überprüfung
DBT für suizidale Patienten
Die Dialektisch-Behaviorale Therapie nach Marsha Linehan ist speziell für chronisch suizidale Patienten entwickelt worden und hat sich besonders bei Borderline-Persönlichkeitsstörung bewährt.
- Dialektisches Denken und Validierung
- Verhaltensanalyse bei suizidalen Episoden
- Fertigkeitentraining (Achtsamkeit, Stressabbau, Emotionsregulation)
- Struktur und intensive Begleitung
- Motivational Enhancement bei ambivalenten Patienten
Krisenintervention
Akute suizidale Krisen erfordern schnelle, strukturierte Reaktionen. Dieses Modul vermittelt praktische De-Eskalations- und Interventionsfähigkeiten für akute Situationen.
- Unmittelbare Gefahrenabwehr
- Präsenz und Containment
- Kommunikation unter Druck
- Entscheidungen zur Stationierung
- Nachbetreuung nach Krise
Rechtliche und ethische Aspekte
Suizidalität wirft wichtige rechtliche und ethische Fragen auf: Wann ist Schweigepflichtbruch zulässig? Wie dokumentiere ich angemessen? Welche Haftung besteht?
- Schweigepflicht und deren Grenzen
- Dokumentation und Qualitätssicherung
- Haftungsrisiken und Prävention
- Informed Consent bei Suizidalität
- Einweisung und rechtliche Grundlagen
Therapeutische Beziehung
Die Beziehung zwischen Therapeut und Patient ist der zentrale Wirkfaktor bei Suizidalität. Ein Querschnittsthema, das ethisches Denken, Empathie und Grenzensetzen vereint.
- Empathie ohne Übernehmen von Verantwortung
- Transparenz in der Risikokommunikation
- Umgang mit Ambivalenz
- Burnout- und Belastungsmanagement für Therapeuten
- Vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Angehörigen
Warum ist Fortbildung zu Suizidalität unverzichtbar?
- Suizidprävention ist wirksam: Evidence-basierte Interventionen wie Safety Planning und DBT reduzen Suizidmortalität messbar.
- Unsicherheit belastet die Therapie: Therapeutische Unsicherheit kann zu Vermeidung, Unter- oder Überbehandlung führen und die Allianz schädigen.
- Kontinuierliche Kompetenzerwerb ist notwendig: Das Feld entwickelt sich schnell; regelmäßige Fortbildung hält Sie auf dem neuesten Stand.
- Prävention von Burnout: Gezielte Kompetenz und klare Strategien reduzieren die psychische Belastung durch diese Thematik.
- Ethische Verantwortung: Eine angemessene Ausbildung ist Voraussetzung für ethisch verantwortungsvolles Handeln.
Fortbildungsangebote durchstöbern
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche strukturierten Instrumente gibt es zur Suizidrisiko-Einschätzung?
- Columbia-Suicide Severity Rating Scale (C-SSRS): Erfasst Häufigkeit, Intensität und Spezifität von suizidalen Gedanken sowie suizidale Verhaltensweisen. Validiert in vielen Studien und in der klinischen Praxis weit verbreitet.
- Beck Scale for Suicide Ideation (BSI): 19-Item-Skala zur Erfassung suizidaler Gedanken und deren Schweregrad.
- Scale for Suicide Ideation (SSI): 30-Item-Skala mit umfassender Erfassung von Einstellung, Gedanken und Absichten.
- Suicide Behaviors Questionnaire-Revised (SBQ-R): Kurzes Screening-Instrument mit nur 4 Items.
- Collaborative Assessment and Management of Suicidality (CAMS): Nicht primär ein Assessment-Instrument, sondern ein therapeutisches Framework mit integrierten Assessment-Komponenten.
Wie führe ich ein Safety-Planning-Gespräch?
- Warnsignale identifizieren (Warning Signs): Gemeinsam mit der Patient interne und externe Zeichen erarbeiten, die einen Suizidimpuls ankündigen (z.B. Schlaflosigkeit, bestimmte Gedankenmuster, Isolation).
- Interne Bewältigungsstrategien (Internal Coping Strategies): Dinge sammeln, die die Patient ohne externe Hilfe tun kann, um sich selbst zu beruhigen (z.B. spazieren gehen, Musik hören, Haushalt putzen).
- Menschen und soziale Orte (People and Social Settings): Personen oder Orte identifizieren, die auf natürliche Weise von suizidalen Gedanken ablenken.
- Unterstützungspersonen (People to Ask for Help): Konkrete Personen mit Kontaktdaten auflisten, die schnelle psychosoziale Unterstützung bieten können.
- Professionelle Hilfe (Professionals and Agencies): Krisentelefone, Notaufnahmen, Therapeuten und deren Erreichbarkeit dokumentieren.
- Sicherung der Umgebung (Making the Environment Safer): Konkrete Maßnahmen zur Reduktion von Mitteln (z.B. sichere Aufbewahrung von Medikamenten).
Wann muss ich die Schweigepflicht bei Suizidalität brechen?
- Unmittelbarkeit und Konkretheit: Die Gefahr muss gegenwärtig und konkret sein, nicht spekulativ oder abstrakt.
- Schweregrad: Es muss sich um eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben handeln.
- Subsidiarität: Es dürfen keine weniger eingriffsintensiven Alternativen zur Verfügung stehen (z.B. Erhöhung der Stationierungsfrequenz, direktes Gespräch mit dem Patienten über die Gefahr).
- Dokumentation: Die Abwägung muss detailliert dokumentiert werden (Was war die Situation? Welche Alternativen wurden erwogen? Welche Information wurde an wen übermittelt und warum?).
- Minimales Prinzip: Nur das minimal notwendige Maß an Information sollte weitergegeben werden.
- Transparenz: Es ist empfohlen, den Schritt transparent mit der Patient zu thematisieren (soweit dies nicht die Gefahrenabwehr gefährdet).

