Fortbildungen zu Persönlichkeitsstörungen für Psychotherapeuten
Kurzübersicht: Persönlichkeitsstörungen
Wichtige Kennzahlen und Merkmale
Das Cluster-Modell (ICD-10, F60-F61)
Cluster A: Sonderbare und exzentrische Muster
Charakterisiert durch soziale Distanziertheit, reduzierte Affektivität und ungewöhnliche Denkmuster. Patienten wirken oft merkwürdig, kalt oder kontaktarm.
Beispiele: Paranoide, Schizoide, Schizotype PS
Cluster B: Dramatische, emotionale und impulsive Muster
Geprägt durch affektive Instabilität, Impulsivität und Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen. Hohe Emotionalität und oft selbstschädigende Verhaltensweisen.
Beispiele: Borderline-, Narzisstische, Histrionische PS, Dissoziale PS
Cluster C: Ängstliche, abhängige und angespannte Muster
Dominiert von Angst, Unsicherheit und dem Bedürfnis nach Kontrolle. Patienten sind oft gehemmt, selbstzweifelnd und beziehungsorientiert.
Beispiele: Dependente, Selbstunsichere, Zwanghafte PS
Dimensionales Verständnis und ICD-11 Neuerungen
Ego-Syntonie: Das zentrale therapeutische Herausforderung
Bewährte therapeutische Ansätze
Passende Fortbildungen
Kernthemen dieser Fortbildungsreihe
Diagnostik & Dimensionale Modelle
Erkennen Sie Persönlichkeitsstörungen sicher. Lernen Sie, differentialdiagnostische Abgrenzungen vorzunehmen und die Schweregrade richtig einzuschätzen.
Klärungsorientierte Psychotherapie (KOP)
Verstehen Sie den Ansatz der KOP nach Sachse und seine spezifische Eignung für Persönlichkeitsstörungen. Lernen Sie, intrapsychische Konflikte zu klären und Selbstorganisationsfähigkeiten zu fördern.
Therapeutische Beziehung bei Persönlichkeitsstörungen
Die therapeutische Beziehung ist bei Persönlichkeitsstörungen zentral. Entdecken Sie Strategien zum Aufbau vertrauensvoller Beziehungen, zum Umgang mit Übertragung und zum Halten von Grenzen.
Warum ist Fortbildung zu Persönlichkeitsstörungen wichtig?
Persönlichkeitsstörungen erfordern spezifische klinische Kompetenzen. Viele Psychotherapeuten fühlen sich unsicher im Umgang mit diesen Patienten – und das zu Recht: Sie fordern heraus, sind oft hochkomplex und die therapeutische Beziehung ist besonders anfällig für Schwierigkeiten. Eine fundierte Fortbildung bietet Ihnen:
- Diagnostische Sicherheit
Lernen Sie, Persönlichkeitsstörungen zuverlässig zu diagnostizieren und von anderen Störungsbildern abzugrenzen. - Therapeutische Effektivität
Evidenzbasierte Methoden wie KOP sind wirksam – aber nur, wenn sie richtig angewendet werden. Profitieren Sie von systematischem Training. - Reduktion von Therapiescheitern
Persönlichkeitsstörungen haben hohe Abbruchquoten. Mit fundiertem Wissen vermeiden Sie häufige Fehler und halten die Therapie stabiler. - Persönliches Wohlbefinden
Diese Patienten können emotional anstrengend sein. Lernen Sie Strategien zum Selbstschutz.
Vertiefen Sie Ihre Kenntnisse
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie unterscheiden sich Persönlichkeitsstörungen nach ICD-10 und ICD-11?
Die ICD-10 nutzt ein kategoriales System mit neun spezifischen Persönlichkeitsstörungen, die in drei Clustern organisiert sind (A: sonderbar, B: emotional-dramatisch, C: ängstlich-vermeidend). Jede Störung wird als eigenständige Diagnose betrachtet.
Die ICD-11 basiert dagegen auf einem dimensionalen Modell. Es gibt zwei Hauptkomponenten:
- General Personality Functioning (GPF): Ein kontinuierliches Spektrum vom Severity-Level 0 (keine Beeinträchtigung) bis 5 (schwere Beeinträchtigung) in den Bereichen Selbstfunktionieren (Identität, Selbstleitung) und Beziehungsfunktionieren (Empathie, Intimität).
- Personality Trait Domains: Spezifische Merkmaldomänen: Negative Affektivität (emotional instabil), Schizoider Affekt (emotional distanziert), Antagonismus (aggressiv, manipulativ), Desinhibition (impulsiv, rücksichtslos) und Rigidität (unflexibel, starr).
- Vorteil: Das dimensionale Modell bildet die Realität besser ab, ermöglicht Mischprofile und berücksichtigt die hohe Komorbidität. Es ist wissenschaftlich validierter und klinisch aussagekräftiger.
Sind Persönlichkeitsstörungen behandelbar?
Ja. Obwohl Persönlichkeitsstörungen chronische, langfristige Muster darstellen, sind sie durchaus behandelbar. Dies war lange Gegenstand wissenschaftlicher Debatten, aber neuere Forschung und longitudinale Studien zeigen klar:
- Natürliche Remission: Etwa 50 % der Patienten mit Persönlichkeitsstörungen erleben über 10 Jahre hinweg eine spontane Verbesserung.
- Psychotherapie ist wirksam: Evidenzbasierte Verfahren (Schema-Therapie, DBT, MBT, KOP) zeigen signifikante Effekte mit Remissionsraten von 50–75 % nach 1–2 Jahren Behandlung.
- Langfristige Veränderung: Besonders Schema-Therapie zeigt anhaltende Verbesserungen auch nach Therapieende.
- Anforderungen: Erfolgreiche Behandlung erfordert typischerweise 1–5 Jahre Therapie, abhängig von Schweregrad und Störungsprofil. Eine stabile therapeutische Beziehung ist essentiell.
Realistische Ziele sind oft nicht vollständige Remission, sondern verbesserte Funktionsfähigkeit, bessere Beziehungsqualität und reduzierte Selbstschädigungsmuster.
Welcher therapeutische Ansatz ist bei Persönlichkeitsstörungen am wirksamsten?
Es gibt keine universell optimale Methode für alle Persönlichkeitsstörungen. Die Effektivität hängt von mehreren Faktoren ab:
- Störungsprofil: Unterschiedliche PS haben unterschiedliche therapeutische Ansatzpunkte.
- Patientenmotivation: Therapiemotivation ist ein starker Prädiktor für Erfolg.
- Therapeutische Kompetenz: Die Ausbildung und Erfahrung des Therapeuten ist entscheidend.
- Beziehungsqualität: Die therapeutische Allianz ist bei PS besonders wichtig und oft schwerer herzustellen.
- Empirische Hinweise:
- Schema-Therapie: Besonders wirksam bei Cluster C PS und bei emotionalen Dysregulationsproblemen. Zeigt die besten Langzeiteffekte.
- DBT: Gold Standard für Borderline-PS, besonders bei Suizidalität und Selbstverletzung.
- MBT: Wirksam bei Beziehungsproblemen und mangelnder Selbstreflektion, besonders bei Borderline und narzisstischen Zügen.
- KOP: Effektiv bei intrapsychischen Konflikten und Widerstand, besonders bei Cluster C PS.
- TFP: Geeignet für schwere Fälle mit Identitätsdiffusion und Objektbeziehungsproblemen.
Empfehlung: Eine integrative Herangehensweise, adaptiert an die spezifische Klientel und ihre aktuellen Probleme, ist oft am erfolgreichsten. Kombinationen von Methoden (z.B. DBT + Schema-Therapie) sind in der Praxis weit verbreitet.

