Fortbildungen zu Generalisierter Angststörung für Psychotherapeuten

Evidenzbasierte Konzepte zur Diagnose und Therapie der GAD. Sorgenexposition, metakognitive Therapie nach Wells und bewährte Interventionsstrategien.

Kurzübersicht: Generalisierte Angststörung

Die Generalisierte Angststörung (GAD) ist durch persistentes, unkontrollierbares Sorgen über multiple Lebensbereiche charakterisiert. Die Prävalenz wird international auf 3-6% geschätzt, mit einer deutlich höheren Quote bei Frauen (F:M Ratio 2:1). Das zentrale Merkmal ist das pathologische Sorgen—ein unbewusster Versuch, bedrohliche Szenarien zu antizipieren und zu kontrollieren. Nach Borkovec's Avoidance Theory fungiert das Sorgen als neg­atives Reinforcement: Verbale Gedanken zu beängstigenden Szenarien supprimieren affektive Reaktionen und somatische Symptome, was zu kurzzeitiger Angstlinderung führt, aber langfristig die Angststörung aufrechterhält. Das metakognitive Modell nach Wells betont die Rolle dysfunktionaler Überzeugungen über das Sorgen selbst (z.B. „Sorgen hilft mir zu planen" oder „Wenn ich nicht sorge, passiert etwas Schlimmes"). GAD-Patienten berichten häufig von Muskelverspannungen, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen. Ein diagnostisches Kernproblem ist die Differenzierung vom normalen Sorgen: GAD-Sorgen ist exzessiv, zeitlich ausgedehnt und funktional beeinträchtigend. Die Komorbidität mit Depression (bis 60% Lebenszeitprävalenz) erfordert differenzierte therapeutische Strategien.

Epidemiologie und klinische Charakteristika

  • Prävalenz: 3–6 % (12-Monats-Prävalenz)
  • Geschlechterverhältnis: 2:1 (Frauen:Männer)
  • Erkrankungsbeginn: Variabel, oft mittleres Lebensalter (20er–40er)
  • Verlauf: Chronisch, episodisch exazerbierend
  • Komorbidität: Depression (60%), andere Angststörungen (50%)

Passende Fortbildungen

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Kernthemen dieser Fortbildungen

Sorgenexposition und Habituation

Direkte Exposition mit beängstigenden Gedanken und Szenarien während therapeutischer Sitzungen zur Überwindung kognitiver Vermeidung und zur Aktivierung von korrigierenden Informationen gegen dysfunktionale Überzeugungen.

Metakognitive Therapie nach Wells

Modulation dysfunktionaler metakognitiver Überzeugungen (positive und negative Überzeugungen über das Sorgen), Entwicklung kognitiver Flexibilität und Achtsamkeit gegenüber Sorgenprozessen ohne Kontrollversuche.

Applied Relaxation

Systematisches Entspannungstraining kombiniert mit Exposition in hierarchisch aufgebauten angstauslösenden Situationen zur Reduktion somatischer Symptomatik und vegetativer Überaktivierung.

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Achtsamkeitsbasierte Interventionen

Acceptance and Commitment Therapy (ACT), Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) und metakognitive Techniken zur Toleranzsteigerung von beängstigenden Gedanken und zur Reduktion experimenteller Vermeidung.

Differenzialdiagnose

Abgrenzung zu Depressiver Störung (Inhalte vs. Kontrolle des Sorgenprozesses), Zwangsstörung (Intrusionen vs. deliberate Gedanken), Gesundheitsangst und organischen Erkrankungen zur Sicherung korrekter Diagnose.

Warum ist eine spezialisierte Fortbildung zu GAD notwendig?

Generalisierte Angststörung stellt hohe Anforderungen an diagnostische Präzision und therapeutische Flexibilität. Im klinischen Setting werden GAD-Patienten häufig unterdiagnostiziert oder mit Depression verwechselt, da die somatische Symptomatik (Schlafstörung, Muskelverspannung) im Vordergrund steht. Die spezialisierten Behandlungsansätze unterscheiden sich erheblich von anderen Angststörungen: Während bei Panikstörung die interoceptive exposure zentral ist, funktioniert bei GAD die Sorgenexposition anders—sie erfordert deliberates engagement mit verbalen, prozessorientierten Gedanken, nicht imaginale Exposition mit diskretisierten angstauslösenden Szenarien.

Das metakognitive Modell hat unser Verständnis von GAD transformiert und ermöglicht effektivere Interventionen. Eine Fortbildung vermittelt die neuesten evidenzgestützten Techniken (Sorgenexposition, Metakognitive Therapie, ACT), evidenzbasierte Psychoeducation über die Pathophysiologie des Sorgenprozesses und praktische Strategien zur Behandlung häufiger Behandlungshindernisse (z.B. Patienten, die „zu viel nachdenken" als Ressource betrachten). Sie werden in der Lage sein, die Komorbidität mit Depression zu navigieren und spezialisierte Expositionen für Patienten mit treatment resistance durchzuführen.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was unterscheidet pathologisches Sorgen von normalem Sorgen?

Pathologisches Sorgen bei Generalisierter Angststörung unterscheidet sich durch mehrere Merkmale vom adaptiven Sorgen: Es ist exzessiv in Frequenz und Intensität (≥3 Tage die Woche über mindestens 6 Monate), schwer kontrollierbar, bezieht sich auf multiple Lebensbereiche und wird als quälend empfunden. Während normales Sorgen problemlösungsorientiert und zeitlich begrenzt ist, ist pathologisches Sorgen eher prozessorientiert, selbstverstärkend und führt zu Vermeidung von beängstigenden Gedanken und Bildern. Die Intolerance of Uncertainty (IU) und metakognitive Überzeugungen über das Sorgen selbst spielen dabei eine zentrale Rolle.

Ist Sorgenexposition wirksam bei Generalisierter Angststörung?

Ja, Sorgenexposition ist eine evidenzbasierte Behandlungstechnik für GAD. Im Gegensatz zur klassischen imaginal exposure bei PTSD beinhaltet Sorgenexposition das deliberate engagement mit befürchteten Szenarien und Gedanken während einer Sitzung (üblicherweise 30-40 Minuten). Ziel ist es, die temporäre Angstinduktion zu nutzen, um Habituation zu erreichen und zu demonstrieren, dass die befürchteten Konsequenzen nicht eintreten. Metakognitive Aspekte sind wichtig: Die Exposition sollte kognitive Vermeidung adressieren und die dysfunktionalen Überzeugungen über das Sorgen selbst herausfordern.

Welche Rolle spielen körperliche Symptome bei Generalisierter Angststörung?

Körperliche Symptome sind integraler Bestandteil von GAD. Typischerweise berichten Patienten von Muskelverspannungen (besonders Nacken, Schultern, Kiefer), Ein- und Durchschlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Reizbarkeit und Kopfschmerzen. Diese Symptome entstehen durch die chronische Aktivierung des Sympathikus und die mit Besorgnis assoziierte motorische Anspannung. Wichtig für die Differenzialdiagnose: GAD-Patienten können diese Symptome fälschlicherweise als Zeichen einer somatischen Erkrankung interpretieren. Eine psychoeducation über den Zusammenhang zwischen Sorgen und körperlichen Symptomen, kombiniert mit Entspannungstechniken (Progressive Muskelrelaxation, diaphragmale Atmung), ist daher therapeutisch wertvoll.

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