Fortbildungen zu Panikstörung für Psychotherapeuten

Das Clark-Modell der Panik, interoceptive Exposition, Atemretraining und spezialisierte Managementstrategien für Agoraphobie und komplexe Fälle.

Kurzübersicht: Panikstörung

Panikstörung ist eine Angststörung, die durch wiederholte, unerwartete Panikattacken charakterisiert ist—diskrete Anfälle intensiver Angst oder Unbehagen mit körperlichen und kognitiven Symptomen, die ihren Peak innerhalb von ca. 10 Minuten erreichen. Die Prävalenz liegt bei etwa 2-3%, mit einer F:M Ratio von 2:1 und typischem Erstauftreten im jungen Erwachsenenalter (20-30 Jahre). Das Kernmerkmal ist die catastrophic misinterpretation nach Clark's Panik-Teufelskreis: Patienten fehlinterpretieren harmlose körperliche Sensationen (z.B. Herzklopfen, Schwindel) als Zeichen einer Katastrophe (Herzinfarkt, Ohnmacht, Kontrollverlust). Diese Furcht produziert weitere Angst und physiologische Symptome, was den Teufelskreis perpetuiert. Wichtige klinische Phänomene: interoceptive conditioning (Angst vor internen Reizen), Hyperventilationssyndrom mit Respiratorischer Alkalose, nocturnal panic (nächtliche Panikattacken aus dem Schlaf), und hohe Notfallabteilungs-Nutzung (emergency room utilization) durch fälschliche Überzeugungen von akuten medizinischen Notfällen. Die Komorbidität mit Agoraphobie tritt bei 50-70% der Fälle auf; etwa 50% der Agoraphobia-Fälle haben Panikstörung als primäre Diagnose.

Epidemiologie und klinische Charakteristika

  • Prävalenz: 2–3 % (12-Monats-Prävalenz)
  • Geschlechterverhältnis: 2:1 (Frauen:Männer)
  • Erkrankungsbeginn: Typischerweise 20–30 Jahre
  • Panikattacken-Verlauf: Episodisch oder chronisch rezidivierend
  • Komorbidität mit Agoraphobie: 50–70 %

Passende Fortbildungen

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Kernthemen dieser Fortbildungen

Clark-Modell der Panik

Tiefes Verständnis des Teufelskreises von Angst: externe/interne Reize → katastrophale Fehlinterpretationen körperlicher Symptome → Angst und physiologische Reaktionen → weitere Fehlinterpretationen. Kognitives Umstrukturieren und behavioral experiments zur Disconfirmation katastrophaler Erwartungen.

Interoceptive Exposition

Direkte In-Session Exposition gegenüber angstauslösenden Körpersensationen durch provokative Manöver (Hyperventilation, Drehstuhl, Fenster-Atemhalten, schnelle Treppen), gefolgt von Habituation und kognitiven Restrukturation der katastrophalen Überzeugungen.

Atemretraining und Hyperventilationsprovokation

Verständnis der Physiologie des Hyperventilationssyndroms (CO₂-Verlust, respiratorische Alkalose, Parästhesien), Techniken zur Normalisierung der Atmung, therapeutischer Einsatz der Hyperventilationsprovokation zur Disconfirmation von Feen der Erstickungs- und Ohnmachtsgefahr.

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Agoraphobie-Management

Spezifische Exposition in Situationen, in denen Panikattacken auftraten oder befürchtet werden (öffentliche Plätze, Menschenmengen, öffentliche Verkehrsmittel), Sicherheitsverhaltenweisen identifizieren und systematisch reduzieren zur Aktivierung von safety behaviors.

Panik bei somatischen Erkrankungen

Differenzialdiagnose und Behandlung von Patienten mit echter somatischer Erkrankung plus sekundärer Panikstörung (z.B. Panik bei kardiovaskulären Erkrankungen, Asthma), sichere Differenzierung durch medizinische Clearance und spezifische psychotherapeutische Interventionen.

Warum ist eine spezialisierte Fortbildung zu Panikstörung notwendig?

Panikstörung ist eine der Angststörungen mit der höchsten Behandelbarkeitrate und den besten evidenzgestützten Interventionen—mit CBT können 80-90% der Patienten substanziell profitieren. Jedoch ist die spezialisierte Kompetenz oft nicht verfügbar, was zu Unterbehandlung, Fehldiagnosen und unnötiger medizinischer Übernutzung führt. Patienten mit Panikstörung haben eine 4-10x höhere Notfallabteilungs-Nutzung, da sie ihre Symptome fälschlicherweise als Herzinfarkt oder andere medizinische Notfälle interpretieren. Eine spezialisierte Fortbildung vermittelt diagnostische Sicherheit zur Differenzierung von medizinischen Notfällen, Herzerkrankungen, Asthma und anderen Erkrankungen, die mit Panik-ähnlichen Symptomen präsentieren.

Besonders wichtig: Das interoceptive exposure-Protokoll ist spezifisch für Panikstörung und unterscheidet sich grundlegend von der Exposition bei PTSD oder Spezifischen Phobien. Eine unzureichend durchgeführte oder schlecht strukturierte Exposition kann ineffektiv sein oder die Angst verstärken. Die Fortbildung vermittelt das Clark-Modell in seiner Tiefe, praktische Techniken zur Provokation von Körpersensationen, sichere Überwachung während provozierender Manöver, und Strategien zur Überwindung häufiger Behandlungshindernisse (z.B. Patienten, die glauben, dass medizinische Symptome real sind und nur mit Medikamenten zu beheben sind). Sie werden auch lernen, die Rolle von Medikamenten (SSRIs, Benzodiazepine) zu navigieren und psychotherapeutische und pharmakologische Behandlungen zu integrieren.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Panikattacke und Panikstörung?

Eine Panikattacke ist ein diskreter Anfall intensiver Angst oder Unbehagen, der plötzlich auftritt und einen Höhepunkt (Peak) innerhalb von etwa 10 Minuten erreicht. Sie wird begleitet von körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Atemnot und Schwindel sowie kognitiven Symptomen wie Todesangst oder Kontrollverlust. Panikattacken können isoliert auftreten und sind nicht pathologisch, wenn sie selten sind und keinen Funktionsverlust bedingen. Eine Panikstörung dagegen ist eine Angststörung, die durch wiederholte, unerwartete Panikattacken charakterisiert ist, gefolgt von mindestens einem Monat anhaltender Angst vor zukünftigen Attacken (Angst vor der Angst) und Vermeidungsverhalten. Das zentrale Element ist die catastrophic misinterpretation von körperlichen Symptomen: Patienten interpretieren normale somatische Sensationen (z.B. Herzrasen) als Zeichen einer lebensbedrohlichen Erkrankung (z.B. Herzinfarkt), was zu einer Teufelskreis-Dynamik führt.

Wie führe ich interoceptive Exposition durch?

Interoceptive Exposition ist eine zentrale Komponente der kognitiv-behavioralen Therapie für Panikstörung. Das Ziel ist es, Patienten schrittweise der internen, angstauslösenden Körpersensationen auszusetzen, um die katastrophalen Überzeugungen zu disconfirmen und Angstgewöhnung zu erreichen. Praktische Durchführung: (1) Psychoeducation über interne Reize und den Teufelskreis der Panik; (2) Erstellung einer Hierarchie von Körpersensationen; (3) In-session Provokationen (z.B. schnelle tiefe Atemzüge für 2-3 Min. zur Herbeiführung von Tachykardie/Schwindel, Drehstuhl für Vestibulärstimulation, Fenster-Anhalten des Atems für Dyspnoe-Sensationen); (4) Nach jeder Provokation: Diskussion der tatsächlichen vs. erwarteten katastrophalen Konsequenzen; (5) Homework mit graduierter Exposition in reale Situationen. Monitoring von SUDS (subjektive Angstintensität) und Vorhersagen dokumentieren.

Kann Panikstörung ohne Agoraphobie auftreten?

Ja, das DSM-5 unterscheidet zwischen Panikstörung mit und ohne Agoraphobie. Panikstörung ohne Agoraphobie ist charakterisiert durch wiederholte Panikattacken ohne signifikante Vermeidung oder Angst vor Situations- oder Platzangst. Patienten haben zwar Angst vor zukünftigen Panikattacken, vermeiden aber nicht systematisch bestimmte Orte oder Situationen. Sie können sich frei bewegen und öffentliche Plätze nutzen, sind aber von der Angst vor der nächsten Attacke geplagt. Etwa 50-70% der Patienten mit Panikstörung entwickeln sekundär Agoraphobie, besonders wenn Panikattacken in bestimmten Kontexten konsistent auftreten. Eine spezialisierte Fortbildung hilft, diese Unterscheidung zu treffen und zu vermeiden, dass Patienten ohne Agoraphobie unnötige Expositionshierarchien durchlaufen, während die Fokussierung auf interoceptive exposure und katastrophale Kognitionen erhöht wird.

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